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# KOMMUNIKATION

Kommunikation in der Krise

7 Regeln für Kommunikation,
die schon immer galten und
jetzt besonders wichtig sind

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Das ewige „man könnte mal, man sollte mal…“ und all das „eigentlich, vielleicht…“ sind stille Opfer der aktuellen Situation geworden, um die wohl niemand trauert. Die Krise ist die Feindin des Konjunktivs. Was sie fordert, ist Klarheit – gerade, weil so vieles im Unklaren ist. Für die Kommunikation ist das ein Segen. Klarheit stand ihr schon immer gut. Jetzt erinnern wir uns wieder daran. Und es ist wohl eine gute Idee, sich an noch einige andere Regeln wirksamer Kommunikation zu erinnern, die gerade in Krisenzeiten hilfreich und wichtig sind. Sie gelten für jede Form menschlicher Kommunikation. Führungskräften seien sie momentan aber ganz besonders ans Herz gelegt.

Regel #1: Tun Sie‘s!
„Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte schon der geniale Paul Watzlawick. Für Führungskräfte heißt das: Auch wenn Sie schweigen und daher glauben, gar nicht zu kommunizieren, senden Sie doch eine Botschaft. In Krisenzeiten kommt diese Botschaft als „ich lasse euch alleine“ bei Ihren Mitarbeitern an. So schaffen Sie still und leise ein Höchstmaß an Irritation. Sprechen Sie stattdessen mit Ihren Mitarbeitern! Sprechen Sie oft mit Ihren Mitarbeitern! Sprechen Sie in der momentanen Situation besonders oft mit Ihren Mitarbeitern! Kommunikation ist Ihr wichtigstes Führungswerkzeug – nutzen Sie es!

Geben Sie Orientierung durch Präsenz und intensive Kommunikation.
 

Regel #2: Nutzen Sie das „Du“
Ja, Sie können auch weiterhin gerne die Sie-Form verwenden. Mit dem „Du“ ist hier gemeint, dass Sie Ihr Gegenüber (zum Beispiel Ihre Mitarbeiter) wirklich ansprechen. Also weg vom Verlautbarungston der Geschäftsleitung und hin zum Gespräch, zum wahren Dialog. Dazu gehört, dass ich mein Gegenüber nicht bloß als Empfänger meiner „message“ betrachte, sondern als Menschen, in dem meine Worte etwas bewirken. Das hat viel mit Verantwortung zu tun und vor allem (besonders wichtig in diesen Zeiten): mit Empathie, mit Einfühlsamkeit. Der Sender-Empfänger-Monolog wird so zum lebendigen, aktivierenden Energiestrom. Was dabei auch für Sie selbst herausspringt, hatte schon Martin Buber formuliert: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Das gilt übrigens nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für deren Organisationen.

Stellen Sie sich in die Schuhe Ihres Gegenübers, nehmen Sie auch Sorgen wahr – und ernst.
 

Regel #3: Nehmen Sie’s persönlich
So wie zu einem Dialog die Empathie für mein Gegenüber gehört, so wichtig ist dafür auch die andere Seite: Ich. Sprechen Sie nicht als Funktionär und Verkünder von Beschlüssen. Verstecken Sie sich nicht hinter Passivkonstruktionen („wird bekanntgegeben“), die verschleiern, wer hier eigentlich spricht. Nutzen Sie die Ich-Perspektive („Ich möchte Ihnen sagen“) und Ihre eigene Stimme. Dann erst haben Sie die Chance, dass Ihre Mitarbeiter nicht nur ein Stück Information herunterladen, sondern verinnerlichen, was Sie sagen. Ja, das macht Sie vielleicht verletzlicher, angreifbarer. Genau deshalb wirkt es. Sie werden angreif-bar, anfass-bar und vor allem: glaubwürdig. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist nicht, der allwissende, allmächtige Held zu sein.

Nutzen Sie Ihre menschliche Stimme, um Menschen zu erreichen und zu bewegen.


Regel #4: Sagen, was ist
Wir Menschen sind geborene Positivisten. Unser Gehirn interessiert sich in erster Linie für das, was ist. Es braucht ein Vielfaches an Zeit, um eine negative Aussage zu decodieren. Die Botschaft „das ist nicht unlustig“ kommt wesentlich langsamer an als „das ist lustig“. Formulieren Sie positiv. Sagen Sie, was ist. So kommunizieren Sie schneller, vermeiden den negativen Unterton und schaffen kein ungewolltes Kopfkino. Die Aussage „werden Sie jetzt bloß nicht panisch“ ist etwa so wirkungsvoll wie „denken Sie bitte nicht an rosa Elefanten“.

Vermeiden Sie verneinende Konstruktionen. Formulieren Sie Ihre Aussagen positiv.


Regel #5: 3 K – knapp, klar, konkret
„Wir ertrinken in Informationen und dürsten nach Wissen.“ Wohl nie galt John Naisbitts berühmtes Bonmot mehr als in unseren überinformierten Krisenzeiten. Auf der einen Seite gibt es eine Flut von Vermutungen, Spekulation bis hin zu abstrusen Verschwörungstheorien – Unwissenheit im Panikmodus. Auf der anderen Seite rigide Regeln, die (entgegen unserer sonstigen Gewohnheit) nicht zu hinterfragen sind. Erleichtern Sie es Ihren Mitarbeitern, die Wissensrosinen herauszupicken – durch kurze, klare Sätze und Formulierungen. Sprechen und schreiben Sie konkret und bildhaft. „Social distancing“ ist eine Wortschöpfung, die mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. „Halten Sie mindestens 1,5 Meter Abstand, das sind etwa zwei Armlängen“ ist konkret und nachvollziehbar.

Verlassen Sie den Konzeptrahmen, werden Sie konkret!
 

Regel #6: Warum vor wie
Sehen Sie Ihre Aufgabe als Führungskraft darin, voranzugehen? Den Weg zu erklären und Schritt für Schritt nachvollziehbar zu machen? Dann hatten Sie wohl bisher schon Probleme, die sich jetzt zu unbezwingbaren Bergen auftürmen. Oder sehen Sie sich eher als jemand, der Orientierung gibt – einen Grund, eine Richtung, ein Ziel? Übernehmen Sie Verantwortung, indem Sie sie übergeben. Geben Sie Ihren Mitarbeitern eine Idee der Richtung, in die es geht, und vertrauen Sie darauf, dass sie die unvorhersehbaren Steine auf dem Weg selbst beseitigen oder umgehen. Nutzen Sie die kreative Intelligenz Ihrer Organisation. Öffnen Sie Denk- und Handlungsräume.

Vermitteln Sie Beweggründe statt Schrittvorgaben.
 

Regel #7: Psst, hören Sie zu
Erinnern Sie sich noch an die erste Regel? Die sagte, Sie sollten möglichst viel kommunizieren. Das bedeutet aber nicht, dass Sie unentwegt reden. Nutzen Sie ebenso die andere Seite der Kommunikation: Hören Sie zu. Das ist leider die schwerere Seite. Denn beim wirklichen Zuhören geht es um mehr als bloße Informationsaufnahme. Es geht um tiefes Verständnis auch jenseits des Ausgesprochenen. Es geht darum, eine Verbindung herzustellen, eine Beziehung zu pflegen. Zeigen Sie sich ansprechbar. Schaffen Sie Räume und Gelegenheiten dafür – gerade wenn persönliche Kontakt enorm eingeschränkt ist. Öffnen Sie sich. Sie werden sehen: Hier erfahren Sie am allerbesten, welche Inhalte und welche Form der Kommunikation gerade am wichtigsten und wert-vollsten ist.

Sie sind immer zugleich Sender und Empfänger – seien Sie sich beider Seiten bewusst.

„Charakter zeigt sich in der Krise.“ – mit diesem Zitat wird in diesen Tagen gerne Helmut Schmidt, unser bisheriger „Kanzler der Krise“ zitiert. Und Charakter ist auch das, was wir in der Krise in erster Linie brauchen. Es ist nicht die Zeit für neue Handbücher. Es ist die Zeit für menschliche Kommunikation, Kreativität und Tatkraft.

Alles Gute dabei – bleiben Sie gesund!

Alexander Szugger
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