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# KOMMUNIKATION

Unsicherheit, Sorge und Angst - und was jetzt hilft

Warum es gerade jetzt auf eine empathische Mitarbeiterkommunikation ankommt.

Wir sind alle im Krisenmodus. Wir sind verunsichert über das Ausmaß der Pandemie, haben Sorge um die wirtschaftlichen Auswirkungen auf unsere Existenz und Angst um unsere Gesundheit oder die unserer Familie und Freunde. Was macht das mit uns?

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf die Corona-Krise. Jeder wird zunächst versuchen, das Notwendige zu tun und sich zu organisieren. Aber darunter breitet sich mit jedem neuen Tag die Unsicherheit aus. Und dieses Gefühl beeinflusst auch unsere Beziehungen. Die Partnerschaft, Freundschaften, Familie und natürlich auch die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Führungskräften fällt in dieser Zeit eine besondere Rolle und Verantwortung zu. Rahmenbedingungen für das Arbeiten zu definieren sind das eine, mindestens ebenso wichtig sind Empathie für die Mitarbeiter und Verständnis für die Verunsicherung. Das Corona-Virus betrifft alle Lebensbereiche. Führungskräfte sollten in dieser Situation nicht nur den Mitarbeiter sehen, sondern den ganzen Menschen.

Die Heimarbeiter
Wer Glück hat, der kann tatsächlich von Zuhause aus arbeiten. Bekommt sein Gehalt weiter bezahlt, oder kann als Selbständiger weiter Aufträge abwickeln. Aber je länger die Krise dauert, desto mehr wird auch hier der Druck steigen.

Vielleicht müssen Ihre Mitarbeiter Home-Office und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen. Vielleicht ist der Partner Arzt oder Pflegekraft und bringt die besondere eigenen Belastung mit nach Hause. Vielleicht sind Eltern krank und damit besonders gefährdet. In jedem Fall ist das Home-Office eine Arbeitsform, an die man sich erst gewöhnen muss - und für die eigene, oft neue Spielregeln zu finden sind.

Die Prekären
Dann gibt es jene, die unmittelbar betroffen sind, wo das Einkommen über Nacht auf Null gefallen ist oder sehr bald fallen wird. Die Künstler, die Einzelhändler, die Servicekräfte und Techniker bei Veranstaltungen oder die Mitarbeiter in Kultur und Gastronomie.

Vielleicht sind es Mitarbeiter, die man lange auf dem Arbeitsmarkt gesucht hat, denen man jetzt kündigen oder die man in Kurzarbeit schicken muss.

Die System-Relevanten
Menschen, die Produktion aufrechterhalten, die uns mit Lebensmitteln versorgen, die Sicherheit und die medizinische Versorgung und Pflege garantieren.

Ihre Mitarbeiter leisten Unvorstellbares. Sie sollen die Erwartungen einer ganzen Gesellschaft abfedern und eine Situation meistern, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Eine enorm hohe Belastung, mental, körperlich und psychisch. Und auch diese Menschen wollen dem Partner, den Kindern, den Eltern gerecht werden.

All dies sollten Führungskräfte in diesen Tagen im Blick haben, wenn sie mit ihren Mitarbeitern kommunizieren. Und kommunizieren, das sollten sie mehr denn je.

Als Angela Merkel sich zum ersten Mal in ihrer Zeit als Bundeskanzlerin in einer Fernsehansprache an uns wandte, unterstrich sie den Ernst der Lage. Und sie übernahm die Verantwortung, in dieser Situation zu führen, das Vorgehen und die Maßnahmen zu erklären, die Menschen in ihren Sorgen und der Angst abzuholen und auf den gemeinsamen Weg mitzunehmen.

Die gleiche Aufgabe fällt den Führungskräften im Unternehmen zu. Am besten der Unternehmensleitung. Aber auch jeder Führungskraft in den unterschiedlichen Ebenen und Funktionen. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis für die Krise und eine gemeinsame Haltung gegenüber den Mitarbeitern, den Menschen, die für das Unternehmen arbeiten.

"Gute Krisenkommunikation stellt die Gefühle der Menschen in den Mittelpunkt."

Diese Tage kann man sehr unterschiedliche Formen der Kommunikation beobachten. Viele Unternehmen behandeln die Krise eher technisch. Die Krise wird attestiert, die Herausforderungen für das Unternehmen werden beschrieben und es werden die wichtigsten Verhaltensregeln aufgezählt, die jetzt wichtig sind, um den Laden am Laufen zu halten. Auf Hygiene achten, Abstand halten, auf Meetings verzichten. Die Voraussetzungen für Home-Office, Kurzarbeit oder zusätzliche Schichten regeln.

Gute Krisenkommunikation aber stellt die Gefühle der Menschen in den Mittelpunkt. Führungskräfte haben jetzt die Chance durch Empathie eine positive Beziehung herzustellen.

Wenn Führungskräfte zum Ausdruck bringen, dass sie zum Beispiel verstehen, wie schwierig Home-Office ist, wenn gleichzeitig die Kinder Zuhause betreut werden müssen, zeigt dies Empathie und nimmt Druck. Verstehen bedeutet ganz konkret den Mitarbeitern zu sagen, dass es okay ist, wenn unter solchen Umständen der Output niedriger ist, als wenn sie im Büro konzentriert arbeiten können.

Die Kommunikation sollte außerdem kontinuierlich, dialogorientiert und von höchster Ebene gesteuert und verantwortet werden. Dadurch gewinnt die Kommunikation an Kraft und Glaubwürdigkeit. Die besondere Herausforderung liegt in der Wechselwirkung zwischen der Gesamtsituation der Corona-Pandemie in Deutschland, den Auswirkungen auf das eigenen Unternehmen und die persönliche Ebene der Mitarbeiter. Dies sollte alles in der laufenden Kommunikation berücksichtigt und gewichtet werden.

Wenn wir dann irgendwann zu einem „geordneten Alltag“ zurückkehren, werden wir uns daran erinnern, wie in dieser Krisenzeit mit uns als Mitarbeiter gesprochen und umgegangen wurde. Ob wir das Gefühl hatten, in einem Boot zu sitzen und gemeinsam nach Lösungen gesucht und gefunden haben. Ob wir als Menschen gesehen wurden, in einer zutiefst menschlichen Krise, in der alles auf den Kopf gestellt wurde, was uns vertraut war.

Darin liegt eine besondere Chance.

Ralf Dzicher
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